Nach einem Zwischenhoch Ende 2018 / Anfang 2019 mit Umfragewerten Richtung 18 % dümpelt eine AfD heute bei ca. 9 % im Bundesdurchschnitt. Sehr gute Erfolge im bevölkerungsarmen Osten können nicht überdecken, dass die AfD nicht mal auf lokaler Ebene wirklich etwas zu melden hat. Man kann sehr gut auch ohne AfD, wie sich zeigt. Wirft die Frage auf: Warum hat die AfD binnen 18 Monaten 50 % der potentiellen Wähler verloren? Warum steht sie nicht bereits bei 20 %?

Das hat deutlich mehr als einen Grund. Der Hauptgrund dürfte die Öffentlichkeitswahrnehmung der AfD sein, welche überwiegend über die Medien stattfindet und sich grob vereinfacht so darstellen lässt: Die AfD ist in weiten Teilen von Nazis durchsetzt, hat eine Nazi-Agenda und äussert sich überwiegend mit Nazi-Standpunkten. Der zweite Grund dürfte der gleiche sein, der alle Parteien ausser den Grünen Wähler verlieren lässt, es ist das Fehlen einer echten Strategie zum Thema Klimaschutz, was immer man darunter auch versteht.

Am ersten Punkt kann die AfD nur darauf setzen, weniger Steilvorlagen zu liefern, die man ausschlachten kann. Der geneigte Wähler kann gut mit der Schärfe eines G. Curio leben, nicht aber mit einem Kalbitz. Der unzufriedene CDU-Wähler wünscht sich mehr über Roger Beckamp zu hören und weniger von Björn Höcke. Der will auch nicht permanent über die Vergangenheit reden, sondern über Renten, Zuwanderungsmodelle, Energiewirtschaft etc. So zumindest in meinem Umfeld.

Die AfD ist als einzige Partei mit echtem konservativen Profil leider auch Mindeststandard für extreme Rechte, die in einer NPD keine Chance mehr sehen. Die öffentliche Wahrnehmung konzentriert sich aber auf diese. Diese Leute lesen keine Partei-Programme, schon gar nicht Unvereinbarkeitslisten. Klar, die 1.5 % Stimmen von ganz rechts kann man gern mitnehmen – bitte aber nicht die Leute. Diese hindern nämlich 10 % Wechselwähler am Wechsel.

Der zweite Punkt kann nur als inhaltliche Dummheit betrachtet werden. Nein, auch mir ist das Thema menschengemachter Klimawandel etwas suspekt und die CO2 – Hysterie sehr unheimlich. DAS ist aber erst dann wieder zu debattieren, wenn die Katastrophen ausbleiben. Momentan geht es nicht, die öffentliche Meinung lässt es nicht zu. Warum aber nicht den durch unzählige Klimahüpfer ausgerollten Teppich für den eigenen Tanz nutzen? Nicht über CO2 Einsparungswahn, sondern über realistische Ideen zum Ressourcenschutz (= automatisch CO2-Einsparung), also den sinnvollen Energiemix der Zukunft. Dazu mehr in einem anderen Artikel. Überspringen von Umweltsauereien der Akku-Technik im E-mobility-Bereich durch Wechsel auf Wasserstofftechnologie.

Hier kann sich eine AfD als DIE High-Tech-Partei positionieren und weitere Elemente im Programm füttern, so etwa Bildung, Industrien etc. Derzeit gibt es kein einheitliches Marketing der AfD, die die Marke AfD zum Premium machen kann. So abstrus es auch klingt, da muss man halt mal von den Grünen lernen. Dort werden Halluzinationen als positive Utopien verkauft und mit einfachsten Mitteln faktenfrei Menschen bewegt – über positive Botschaften und über diffuse Angst.

Die AfD hat einen schlechten Instinkt für das, was die Menschen aktuell bewegt. Zuwanderung und EU-Kritik sind es aktuell nicht. Die AfD gewinnt jeden Tag aufs neue die Wähler, die sie bereits hat – und vergrault einige derer, die sie gern wählen würden. Für eine Partei des 21ten Jahrhunderts gelten die Gesetze des Marktes: Angebot und Nachfrage.

Eine inhaltlich gut aufgestellte AfD ohne lautsprechende Flügelmänner kann simpel eine FDP verschwinden lassen und der CDU nochmal 5 % Wähler stehlen. Mit 20 % kann man nicht mehr ignoriert werden, jedenfalls nicht lange. Ebenso wird dann der Druck nachlassen – niemand kann es sich mit jedem 5ten Wähler verscherzen.