Was ist Freiheit?

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Freiheit ist mehr als nur die äußere Freiheit. Freiheit bedeutet in einer zweiten Stufe immer auch innere Freiheit. Freiheit ist in seiner ganzen Tiefe letztlich nur dialektisch zu verstehen und bedeutet mithin: Unterordnung, Unterwerfung. Dies aber – und das ist das Entscheidende! – freiwillig, aus innerer Einsicht. Und keine Unterwerfung unter einen anderen Willen oder gar ein anderes Wesen, sondern unter das als gut und richtig Erkannte selbst.

Was ist Freiheit?

Freiheit ist mehr als nur die äußere Freiheit. Freiheit bedeutet in einer zweiten Stufe immer auch innere Freiheit. Freiheit ist in seiner ganzen Tiefe letztlich nur dialektisch zu verstehen und bedeutet mithin: Unterordnung, Unterwerfung. Dies aber – und das ist das Entscheidende! – freiwillig, aus innerer Einsicht. Und keine Unterwerfung unter einen anderen Willen oder gar ein anderes Wesen, sondern unter das als gut und richtig Erkannte selbst.

Der Mensch sei frei geboren, doch überall liege er in Ketten, schrieb Jean-Jacques Rousseau 1762 in seiner berühmten Schrift Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du Contract Social ou Principes du Droit Politique), seinem politisch-theoretischen Hauptwerk, welches neben Montesquieus Vom Geist der Gesetze ein Schlüsselwerk der Aufklärungsphilosophie darstellt und in dem ein Wegbereiter moderner Demokratie gesehen werden kann. Doch welcher Art Ketten gibt es überhaupt, die unsere Freiheit derart einschränken?
Äußere und innere Freiheit
Freiheit ist mehr als nur die äußere Freiheit, nicht eingesperrt zu sein, nicht in Ketten zu liegen, sich frei bewegen zu können, frei sprechen zu dürfen, sich seinen Möglichkeiten entsprechend seinen Wohnort oder seinen Beruf frei wählen zu dürfen. All dies ist wichtig und hat seit der Aufklärung, seit der Französischen Revolution in der Proklamation der Menschenrechte seinen Niederschlag gefunden.
Freiheit bedeutet in einer zweiten Stufe aber immer auch innere Freiheit. Dies scheint mir Nietzsche nicht wirklich verstanden zu haben, wenn er meinte, Freiheit sei Freiheit von Moral. Damit bleibt er noch ganz in dem Schema, sich von äußeren Zwängen befreien zu wollen, nicht aber von den inneren. Freiheit von Moral würde bedeuten, sich der blinden Natur in einem selbst, der eigenen Kontingenz, der eigenen Zufälligkeit, den frühen Konditionierungen und seinen eigenen Trieben vollständig auszuliefern, letztlich also vollkommen unfrei zu sein.


Die Dialektik aus Freiheit und Unterwerfung

Wahre Freiheit bedeutet in ihrer letzten Stufe und in letzter Konsequenz, just diese Bedingheiten zu überwinden, sich von ihnen zu befreien, sich selbst quasi ein Stück weit zu transzendieren, um eben dadurch erst ganz zu sich selbst zu kommen, indem man immer mehr zu dem wird, der man sein kann, was mit einer Nagation des momentanen Seins und einer Bejahung des antizipierten Sein-könnens einhergeht, und dadurch zugleich das eigene kleine Dasein in einen größeren Kontext einzubetten und ihm dadurch allererst Sinn und Tiefe zu verleihen.
Freiheit ist in seiner ganzen Tiefe letztlich nur dialektisch zu verstehen und bedeutet mithin: Unterordnung, Unterwerfung. Dies aber – und das ist das Entscheidende! – freiwillig, aus innerer Einsicht. Und keine Unterwerfung unter einen anderen Willen oder gar ein anderes Wesen, sondern unter das als gut und richtig Erkannte, unter das Erstrebenswerte selbst, welches unserem Leben zugleich eine Ausrichtung zu geben vermag und letztlich das vielleicht größte Geschenk überhaupt darstellt, denn:
„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige“ (Lucius Annaeus Sennecal)

Freiheit bedeutet also nicht, so zu sein, wie man eben ist und dieses Sein wild und rücksichtslos auszuleben, quasi dem Tier in sich völlig freien Lauf zu lassen und das Geistwesen in sich völlig brach liegen zu lassen. Freiheit bedeutet vielmehr, sich dem Entwurf anzunähern, den man mittels seiner Phantasie, mittels seiner Imaginationskraft, die einen über das rein tierische Dasein in eine andere Sphäre emporzuheben imstande ist, von sich selbst macht und dem man sich durch ständige Übung, durch Lebensübung anzunähern versucht, dergestalt man sich weiterentwickelt, indem man neue Fähigkeiten erlernt und einübt, diese in sich aufnimmt und sich zugleich von dem in sich selbst befreit, von dem man sich befreien will.